Manieren über Bord!

Erstellt: 04.06.2021  Lesedauer 1 - 2 Min.

Twitter & Co. machen es vor: je rüder der Ton, desto lauter der Applaus. Der Gegenwind wird gemäß „viel Feind, viel Ehr'“ als „gegnerischer Applaus“ gedeutet.
Bedauerlich: Intelligenz ≠ Manieren.

Es ist Quatsch, wenn manche behaupten, „früher“ seien die Leute netter zueinander gewesen.  Niemand umgibt sich freiwillig mit Arschlöchern.  Doch mit den „sozialen Medien“ öffneten sich Pforten, die es in präsozialmedialen Zeiten nicht gab. Kackbratzen haben damit freien Zutritt zum Leben derer, die sie im „realen Leben“ weitestgehend von sich fern halten oder ihnen aus dem Weg gehen. Was im digitalsozialen Umfeld erheblich aufwändiger ist. Wer sich vor vulgärer oder sonstig ausfälligen Ignoranz schützen will, muss sich im digitalen Raum selbst beschränken und diese Beschränkungen gleichermaßen dem Umfeld auferlegen, mit dem „im realen Leben“ durchaus Umgang und Kontakt gewünscht und gewollt ist.

Die Zahl ungehobelter Proleten  dürfte zu „früher“ weitestgehend identisch sein. Die schöne digitale Welt hat lediglich jedem eine Tröte in die Hand gedrückt, in die umgekehrt reziprok zum Intelligenzquotienten hineingeblasen wird. 

Schlaue Leute wollen herausgefunden haben, dass der „Welt-IQ“ bei 87 liegt1. Was nach anderen Standards deutlich „unterdurchschnittlich“ wäre. Denn als Normalmaß gilt ein IQ von 100. Dieselben Leute errechnen davon ausgehend rund 68 % der Menschen unterhalb der magischen 100, was zu rund 32 % „inklusive und darüber“ führt. Im „Tröten-Konzert“ gäbe es demnach ein Verhältnis 2:1 zugunsten der Dumpfbacken.

Wird jetzt noch zugrunde gelegt, dass intelligentere Menschen als reflektierter gelten, also theoretisch weniger Zeit mit herumtröten verbringen, bedarf es im Grunde keiner weiteren Erklärungen, wer die Oberhand im digitalen Raum hat. Unterstellend, dass Intelligenz und Manieren in Korrelation stehen, würde das die schiere Flut digitaler Rüpelei erklären.

Doch diese Annahme ist – dem Anschein nach – zu schlicht. Ausgerechnet dort, wo Intelligenz vermutet werden darf, lassen die Umgangsformen in wachsendem Maße zu Wünschen übrig. Oder wie sonst ist erklärbar, dass es bei Versicherungen, Behörden, etc. mittlerweile aus der Mode gekommen scheint, den Eingang eines Schreibens – trotz freundlicher Bitte darum – zu bestätigen?

Was bei einer E-Mail sogar von einem Automaten erledigt werden könnte. Doch selbst das scheint für Bürger und Kunden schon zu viel Aufwand zu sein. Was im Grund maximal unverfroren ist, denn ausgerechnet von diesen Protagonisten wird von der anderen Seite detaillierte Dokumentation von Banalitäten gefordert.

Soweit möglich löse ich das damit, dass ich solche Kontakte zur Zahl derer addiere, die mit ihrer Zunge meinem Darmausgang schmeicheln dürfen. — Trotz aller Verärgerung darüber, gibt es keinen Grund, sich deshalb im Ton zu vergreifen…

Das Bild stammt von Pixabay.