Männer-Dissing

Erstellt: 22.06.2021  Lesedauer 2 - 3 Min.

Wie konnte es nur passieren, dass ein Mann bei den Grünen eine Landesliste anführt?

Die Grünen wollen mehr Frauen in der Politik haben. Das ist gut. Regelungen, die Frauen in Wahlverfahren stärken und ermutigen, an Wahlen teil zu nehmen sind ebenfalls gut. Bleibt ein entscheidendes Problem: Was passiert, wenn trotzdem ein Mann gewählt wird?

Frau Baerbock hat es sich anders gewünscht. Weil es wohl eine Regelung gibt, die bei den Grünen vorschreibt, dass eine Frau an der Spitze einer Wahlliste stehen müsse. Was – zumindest nach meinem Empfinden – ein klarer Verstoß gegen das Grundgesetz darstellt, denn demnach sind wir alle gleich. Egal ob oben oder unten etwas die Kleidung ausdellt.

So wie es sich liest, gab es sogar ein mehrstufiges, wiederholtes Wahlverfahren, das jedoch keine der angetretenen Frauen für sich entscheiden konnte. »Mehrfach durchgefallen« heißt für mich: „Keine Mehrheit“. Frau sein allein war den Wählenden augenscheinlich zu wenig. Trotz allem Bemühen, sogar eine zweite Kandidaten in den Wahlprozess einzubeziehen, brachte das keine Wende. Der Artikel gibt keine Auskunft darüber, was die Wählenden letztendlich zur Wahl eines Mannes bewogen hat. ⸮ Unerhört!

Es wird lediglich ergänzt, dass der Gewählte „umstritten“ sei, weil er sich als Landesvorsitzender erdreistete, eine eigene Vorstellung davon zu entwickeln, was gut für sein Bundesland sei. Und dafür auch Verantwortung übernahm.

Wenn es so ein Unding ist, frage ich mich natürlich, warum Männer überhaupt antreten und wählbar sein dürfen. Es macht zumindest wenig Sinn, wenn „man sich das anders wünscht“, oder? Wo es – für mich – endgültig pervers wird: Ein Parteitag muss beschließen, dass ein gewählter (!) Kandidat tatsächlich den Platz einnehmen darf, für den ihn eine Mehrheit gewählt hat. Der Gewählte wurde demnach sogar explizit ein weiteres Mal bestätigt.

Wenn Parteimitglieder bereits in der Kandidatur eines Mannes einen Verstoß gegen die Parteisatzung sehen wollen, ist es wohl mit der angeblich so dringend durchzusetzenden Gleichberechtigung bei den Grünen schlecht bestellt: Das ist „Männer-Diskriminierung“. Wenn zwei „Spitzenfrauen“ einem Mann wiederholt unterliegen, könnte es – womöglich – daran gelegen haben, dass der Mann eventuell als „die bessere Wahl“ angesehen wurde.

Was objektiv der Zweck einer Wahl ist (bzw. sein sollte): Die, den oder das wählen, was den Wählenden für den Zweck oder die Aufgabe am geeignetsten erscheint. Trotz der berechtigten Forderung, dass es mehr Frauen in der Spitzenpolitik geben muss: Bei einer Wahl muss es egal sein, ob jemand im sitzen oder stehen pinkelt. Es muss lediglich sicher gestellt sein, dass Beides zur Wahl steht.

Vielleicht sollten die Grünen in Ihr „Frauenstatut“ aufnehmen, dass Männern grundsätzlich verwehrt ist, Spitzenplätze auf den Listen einzunehmen und das fett auf ihre Wahlplakate drucken. Dann weiß rund die Hälfte der Bevölkerung, dass diese Partei sie disst - und kann das auf dem Wahlzettel entsprechend goutieren.

Für mich ist diese „Diskussion“ eine echte Entscheidungshilfe.

Das Bild stammt von Pixabay.